Unterhalt nach Scheidung oder Trennung

 

Im Rahmen einer Trennung müssen sich Unterhaltspflichtige und Unterhaltsberechtigte mit der Höhe der bestehenden Unterhaltsansprüche beschäftigen. Vor dem ersten Besuch bei einem Rechtsanwalt ist es sinnvoll, einen Unterhaltsrechner im Internet zu nutzen. Zwar werden nicht alle Einzelheiten des Falles berücksichtigt, für einen ersten Überblick über bestehende Ansprüche eignet sich ein solcher Unterhaltsrechner jedoch bestens.

Welche Unterhaltsarten gibt es?

Trennungsunterhalt

Ehegattenunterhalt Wer verheiratet ist und sich von seinem Lebenspartner trennt, hat zunächst Trennungsunterhalt zu leisten. Der Trennungsunterhalt ist auf die Zeit bis zur rechtskräftigen Scheidung beschränkt. Unter Umständen endet der Anspruch, falls die Scheidung erst nach längerer Zeit erfolgt, vorab. Es ist gesetzlich festgelegt, dass zwischen der Trennung und der Scheidung mindestens ein Jahr liegen muss. Dementsprechend ist der Anspruch auf Trennungsunterhalt mindestens ein Jahr zu leisten.



Ehegattenunterhalt

Nachdem Sie geschieden sind, endet der Anspruch auf Trennungsunterhalt. Da der Versorgungsausgleich nicht alle Zahlungsverpflichtungen beendet, kann es sein, dass Ehegattenunterhalt zu zahlen ist. Dies hängt insbesondere davon ab, wie lange die Ehe gedauert hat und ob ein Ehepartner der Alleinverdiener der Familie war. Bei langen Ehen muss der Mehrverdiener unter Umständen einige Jahre Scheidungsunterhalt an den unterhaltsberechtigten Expartner zahlen.



Besonderheit bei gemeinsamen kleinen Kindern - Betreuungsunterhalt

Wenn sich ein Paar trennt und ein Elternteil die Versorgung eines Kindes unter drei Jahren übernimmt, hat der Unterhaltspflichtige Betreuungsunterhalt nach § 1615l BGB an den ehemaligen Lebenspartner zu leisten. Dies ist unabhängig davon, ob Sie verheiratet sind oder nicht. Der zu zahlende Betrag ist dabei an die Einkommensverhältnisse angepasst, der Mindestbedarf liegt jedoch bei 800 Euro. Sobald das Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat, endet dieser Anspruch in der Regel. Lediglich in Ausnahmefällen, etwa bei einer besonderen Pflegebedürftigkeit des Kindes, kann dieser Anspruch auch über diesen Zeitraum hinaus bestehen. Neben dem Betreuungsunterhalt wird auch Kindesunterhalt fällig. Der Kindesunterhalt wird in einem anderen Abschnitt näher behandelt.

Wie hoch ist der Unterhaltsanspruch nach Scheidung?

Generelle Berechnung

Scheidung Sämtliche Anspruchsarten richten sich nach den jeweiligen Einkommensverhältnissen. Bei großen Einkommensunterschieden ist dementsprechend mehr zu zahlen. Bei der Berechnung von Trennungs- und nachehelichem Unterhalt wird das niedrigere Einkommen von dem höheren Einkommen abgezogen. Die Differenz wird mit 3/7 multipliziert. Schulden oder sonstige Verbindlichkeiten können vorab von dem Betrag abgezogen werden. Im Gegensatz zum Kindesunterhalt zeigen sich die Gerichte bei der Anerkennung von sonstigen Verbindlichkeiten deutlich toleranter, sodass einige Ausgaben den zu zahlenden Betrag senken. Es ist jedoch nicht möglich, nachträglich entstehende Verbindlichkeiten zu berücksichtigen. Die Zahlungsverpflichtungen müssen bereits während der Ehe bestanden haben.



Beispielberechnung

Da diese Rechnung abstrakt ist, soll Ihnen folgendes Beispiel bei der Vereinfachung des Sachverhalts helfen:

Fallbeschreibung:

  • Nettoeinkommen A: 3000 Euro
  • Fahrtkosten A: 150 Euro
  • Kreditschulden (Haus) A: 200 Euro
  • Kreditschulden (Auto) A: 100 Euro
  • Nettoeinkommen B: 1000 Euro


Berechnung Unterhaltsanspruch:
  • Nettoeinkommen A: 3000 Euro
  • Verbindlichkeiten A: 150 Euro + 200 Euro + 100 Euro = 450 Euro
  • Nettoeinkommen abzgl. Verbindlichkeiten A: 3000 Euro - 450 Euro = 2550 Euro
  • Differenz zu geringerem Einkommen von B: 2550 Euro - 1000 Euro = 1550 Euro
  • Differenz multipliziert mit 3/7: 1550 Euro * 3/7 = 665 Euro


Der zu zahlende Betrag für den Unterhalt an den Expartner beträgt in diesem Fall circa 665 Euro.

Wird bei dieser Summe der Betrag unterschritten, der dem Unterhaltspflichtigen mindestens verbleiben muss (Selbstbehalt), so wird der Unterhaltsanspruch entsprechend reduziert. Dies spielt vor allem bei einem geringen Einkommen eine entscheidende Rolle. Wurde bei einem Rechtsanwalt ein Ehevertrag abgeschlossen, richten sich die Ansprüche nach diesem Schriftstück.