Unterhalt berechnen in fünf Schritten

 

Unterhalt berechnen - Schritt 1

Das bereinigte Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen

Je nach Vermögenssituation gestaltet sich die Unterhaltsberechnung schwierig. Um einen ersten Überblick zu erhalten, eignet sich jedoch ein Unterhaltsrechner.

UnterhaltsrechnerDazu wird zunächst das konkrete bereinigte Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen festgestellt. Es entspricht dem tatsächlichen Nettoeinkommen abzüglich aller berufsbezogenen Ausgaben (z. B. Fahrtkosten). Urlaubs- und Weihnachtsgeld gehören zum Einkommen, sodass nicht das jeweilige Monatseinkommen zur Berechnung herangezogen werden kann. Die Einkünfte aus anderen Einkunftsarten wie zum Beispiel Erträge aus Vermietung und Verpachtung oder aus Kapital werden hinzugerechnet. Das heißt das entsprechende Nettojahreseinkommen geteilt durch zwölf bildet die Berechnungsgrundlage für die Eingabe in unseren Unterhaltsrechner.
Bei Selbstständigen werden zur Ermittlung des Nettoeinkommens die Bilanzen oder Gewinn- und Verlustrechnungen der vergangenen drei Jahre herangezogen sowie die Steuerbescheide oder Steuererklärungen der letzten drei Jahre zur Berechnung des durchschnittlichen Nettoeinkommens.

Abzug berufsbedingter Aufwendungen

Von diesem Wert werden diverse berufsbedingte Posten abgezogen. Erst nach Abzug dieser Posten erhält man das bereinigte Nettoeinkommen. Fahrtkosten für den täglichen Weg zur Arbeit sowie etwaige Kreditschulden sind teilweise abzugsfähig. Andere berufsbedingte Ausgaben sind zum Beispiel Beiträge für Gewerkschaften, doppelte Haushaltsführung oder Kosten für Fortbildungen. Inwieweit das Gericht oder eine Behörde diese Sonderausgaben als abzugsfähig erachtet, hängt maßgeblich von dem Einzelfall ab. Sofern der Mindestunterhalt sichergestellt ist, zeigen sich Gerichte meist etwas großzügiger. Falls der Mindestunterhalt hingegen nicht geleistet wird, werden kaum oder gar keine Abzugsposten anerkannt. Lassen sich die berufsbezogenen Ausgaben nicht klar abgrenzen, wird eine Pauschale festgesetzt, die in der Regel bei 5 % des Nettogehalts liegt. Der Mindestbetrag nach der Pauschale beträgt 50 EUR, maximal können pauschal 150 EUR pro Monat in Abzug gebracht werden. In unserem Unterhaltsrechner werden die 5% im Rahmen der Mindest- und Maximalpauschale bereits automatisch in Abzug gebracht.

Unterhalt berechnen - Schritt 2

Die Einkommensstufen

Nach Ermittlung des bereinigten Nettoeinkommens erfolgt die Einordnung in eine der zehn Einkommensgruppen nach der Düsseldorfer Tabelle. Dabei ist wichtig zu wissen, dass man davon ausgeht, dass der Unterhaltspflichtige zwei Personen zu versorgen hat. Ob es sich dabei um Kinder oder Expartner handelt, ist unerheblich. Es zählt beispielsweise auch ein Kind, welches aus einer neuen aktuellen Beziehung oder Ehe hervorgeht. Liegt in Ihrem konkreten Fall die Anzahl der Personen, denen Sie gegenüber unterhaltspflichtig sind, unterschritten, so erfolgt eine Einstufung in die nächst höhere Einkommensgruppe. Bei drei Kindern in die nächst niedrigere Einkommensstufe.



Einkommen ab 5.501 EUR netto

Ab einem bereinigten Nettoeinkommen von 5.501 EUR pro Monat wird der Zahlbetrag individuell nach Prüfung des Einzelfalls festgelegt. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass bei einer Steigerung des Einkommens oberhalb der 5.501 EUR der Kindesunterhalt entsprechend angepasst wird. Mit dem Kindesunterhalt soll gewährleistet werden, dass der Lebensbedarf des Kindes finanziert werden kann, das heißt Wohnraum, Nahrungsmittel, Kleidung, Hobbies, Taschengeld und Materialien für die Schule. Man orientiert sich dabei an den zuvor bestehenden Lebensumständen, sodass der Kindesunterhalt zwar erhöht wird, wenn eine Steigerung des Einkommens innerhalb der zehn Einkommensgruppen erfolgt, nicht jedoch ab der elften Einkommensgruppe. Der Grundsatz heißt, dass das Kind keinen Anspruch darauf hat, dass es am Luxus des unterhaltspflichtigen Elternteils beteiligt wird.

Unterhalt berechnen - Schritt 3

Die Altersstufen des unterhaltsberechtigten Kindes

Unterhaltsrechner Nach der Düsseldorfer Tabelle gibt es vier Altersstufen:

  • 1. Stufe: 0- bis 5-jährige Kinder
  • 2. Stufe: 6- bis 11-jährige Kinder
  • 3. Stufe: 12- bis 17-jährige Kinder
  • 4. Stufe: volljährige Kinder

Nach § 1612a Abs. 3 BGB ist der Unterhalt nach der nächst höheren Altersstufe immer ab dem Monat maßgebend, in dem das Kind die höhere Altersstufe erreicht. Das heißt ab dem Monat, in dem das unterhaltsberechtigte Kind seinen 6., 12. oder 18.Geburtstag feiert.

Unterhalt berechnen - Schritt 4

Die Ermittlung des Zahlbetrags

Die Düsseldorfer Tabelle gibt lediglich den Unterhaltsbetrag nach Altersstufe und Einkommenstute an, nicht jedoch den Zahlbetrag. Nach § 1612b BGB vermindert das Kindergeld den Barbedarf des Kindes. Bei minderjährigen Kindern, bei denen in der Regel der Elternteil, bei dem das Kind lebt, seine Unterhaltspflicht durch die Betreuung des Kindes erbringt und damit auch kindergeldberechtigt ist, wird zur Ermittlung des Zahlbetrags das hälftige Kindergeld angerechnet. Bei Kindern ab 18 Jahren wird das volle Kindergeld in Abzug gebracht.

Zum 01.01.2018 gelten folgende Kindergeldbeträge (im Vergleich zu 2017 wurden die Sätze jeweils um 2 EUR erhöht):

  • 1. und 2. Kind: Jeweils 194 EUR
  • 3. Kind: 200 EUR
  • Ab dem 4. Kind: 225 EUR

Unterhalt berechnen - Schritt 5

Selbstbehalt vs. Bedarfskontrollbetrag

Selbstbehalt Nach Abzug sämtlicher Kosten muss der dem Unterhaltspflichtigen zur Verfügung stehende Betrag mindestens dem Bedarfskontrollbetrag der Unterhaltstabelle entsprechen. Der Bedarfskontrollbetrag soll gewährleisten, dass das Einkommens des Unterhaltspflichtigen in einem ausgewogenen Verhältnis verteilt wird zwischen dem Kind bzw. den Kindern und dem Elternteil. Wenn dieser Wert nach Abzug der zu leistenden Zahlbeträge unterschritten wird, erfolgt eine Herabstufung in eine kleinere Gehaltsgruppe mit der Folge, dass der zu zahlende Unterhaltsbetrag verringert wird.

Letztendlich steht dem Unterhaltspflichtigen ein gewisser absoluter Selbstbehalt zu, der durch die Unterhaltszahlungen nicht unterschritten werden darf. Es soll gewährleistet werden, dass der Unterhaltspflichtige auch nach den Unterhaltszahlungen seine Existenz bestreiten kann. Der Selbstbehalt oder auch Eigenbedarf beträgt bei Arbeitslosen monatlich 880 EUR und bei Erwerbstätigen 1.080 EUR. Die Beträge gelten bei minderjährigen Kindern oder volljährigen unverheirateten Kindern bis 21 Jahre, die noch zu Hause leben und zur Schule gehen. Bei allen anderen volljährigen Kindern beträgt der Selbstbehalt des Unterhaltspflichtigen 1.300 EUR monatlich.
Die Selbsthalte beinhalten Wohnkosten inklusive der Nebenkosten in Höhe von 380 EUR, bei volljährigen Kindern sind diese mit 480 EUR einkalkuliert. Sind die tatsächlichen Wohnkosten höher und trotzdem angemessen, so muss dies beim Selbstbehalt berücksichtigt werden, das heißt dieser fällt entsprechend höher aus.