Beispielrechnungen zum Kindesunterhalt auf Basis der Düsseldorfer Tabelle

 

Beispiel: Nettoeinkommen 2.100 EUR, 2 Kinder (5 und 8 Jahre)


Die Mutter zweier Kinder verfügter ein monatliches unterhaltsrechtlich relevantes Nettoeinkommen in Höhe von 2.100 EUR. Die Kinder leben bei ihrem Expartner. Für die beiden Kinder schuldet die Mutter laut Düsseldorfer Tabelle folgenden Kindesunterhalt an den alleinerziehenden Vater: 366 EUR für die 5-jährige Tochter und 419 EUR für den 8 Jahre alten Sohn. Der Zahlbetrag ergibt sich nach der Berücksichtigung des hälftigen Kindergelds der beiden Kinder. In diesem Fall bleiben somit 269 EUR und 322 EUR, also insgesamt 591 EUR. Der Mutter verbleiben somit 1.509 EUR und damit mehr als der festgelegte Selbstbehalt



Beispiel: Nettoeinkommen 3.330 EUR, 1 Kind (12 Jahre)


Unterhalt KindDas bereinigte Nettoeinkommen eines zum Unterhalt verpflichteten Vaters beträgt 3.300 EUR. Er hat Kindesunterhalt für seinen 12-jährigen Sohn an seine Exfrau zu zahlen. Seiner Exfrau ist der Vater nach der Scheidung aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Unterhalt verpflichtet. Aus der Düsseldorfer Tabelle würde sich ein monatlicher Betrag für Unterhalt von 561 EUR ergeben. Nachdem er jedoch nur gegenüber einer Person zum Unterhalt verpflichtet ist, erfolgt die Einordnung in der Regel nach der höheren Einkommensklasse. In diesem Fall also nach der sechsten, das heißt 598 EUR pro Monat. Von diesem Betrag wird nun das hälftige Kindergeld abgezogen. Dieses beträgt bei einem Kind monatlich 194 EUR. Nach dem Abzug der 97 EUR ergibt sich also ein Betrag von 501 EUR, die der Vater an seine Exfrau zahlen muss.



Beispiel: Nettoeinkommen 2.800 EUR, 3 Kinder (10, 13 und 17 Jahre)


Ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen von 2.800 EUR führt dazu, dass der Vater von drei Kindern, die nach der Trennung der Eltern bei der Mutter leben, nach der Düsseldorfer Tabelle eigentlich folgenden Kindesunterhalt schuldet: 459 EUR für den 10-jährigen Sohn und jeweils 538 EUR für die beiden älteren Töchter. In der Regel erfolgt bei drei unterhaltsberechtigten Kindern jedoch eine Einstufung in die niedrigere Einkommensgruppe, sodass der Unterhalt 439 EUR bzw. jeweils 514 EUR beträgt. Für die ersten beiden Kinder erhält die Mutter Kindergeld in Höhe von jeweils 194 EUR, für das dritte Kind bekommt sie 200 EUR. Es ergeben sich somit folgende Zählbeträge: 339 EUR für das jüngste Kind und jeweils 417 EUR für die beiden älteren Kindern, insgesamt also 1.173 EUR. Dem Vater bleibt somit mehr als der Selbstbehalt.


Der Unterhaltsanspruch volljähriger Kinder: Alles was Sie wissen müssen

Unterhalt bei Kindern ab 18

KindesunterhaltEltern schulden ihren volljährigen Kindern grundsätzlich Unterhalt während der Schul-, Ausbildungs- und Studienzeit. Der Anspruch endet in der Regel, wenn das Kind einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erworben hat.


Die Anspruchsdauer

Ausnahmen in beide Richtungen ergeben sich aus der Rechtsprechung der Oberlandesgerichte: So bleibt der Anspruch bei einem unmittelbar nach der Ausbildung begonnenen Studium im selben Fachgebiet beispielsweise bestehen. Eine grobe Überschreitung der Regelstudienzeit lässt den Anspruch dagegen bereits im Erststudium erlöschen.

Ob der Anspruch auch außerhalb der reinen Ausbildungszeit besteht, hängt stark von den Umständen des Einzelfalls ab. So wird der Unterhaltsanspruch während eines Freiwilligen Sozialen Jahres, das unmittelbar mit dem Berufswunsch zusammenhängt, in der Regel bejaht. Gleiches gilt für ein Auslandssemester, dessen Zusatzkosten die Eltern aber nur bei ausreichend hohem Einkommen tragen müssen. Während einer Weltreise ruht in der Regel der Anspruch. Gleiches gilt für nicht studienbezogene Au-Pair-Aufenthalte. Ein wegen Behinderung dauerhaft nicht erwerbsfähiges Kind hat einen zeitlich unbegrenzten Unterhaltsanspruch. In welcher Höhe er besteht und in welchem Verhältnis er zwischen Eltern und Staat aufgeteilt wird, richtet sich allerdings im Einzelfall nach den Bestimmungen des Sozialrechts.


Den genauen Kindesunterhalt berechnen

Wohnt das Kind weiterhin bei einem Elternteil, kann man den Kindesunterhalt berechnen, indem man die Düsseldorfer Tabelle verwendet. Dazu wird zunächst das bereinigte Nettoeinkommen beider Elternteile festgestellt. Zur Ermittlung des bereinigten Nettoeinkommens finden Sie hier weitere Informationen.

Anschließend werden die bereinigten Nettogehälter beider Eltern addiert und einer der Einkommensgruppen der Tabelle zugeordnet. In der vierten Spalte („ab 18“) kann nun der vorläufige Unterhaltsbetrag abgelesen werden. Von diesem Betrag wird das eigene Einkommen des Kindes einschließlich des Kindergeldes in voller Höhe abgezogen. Während des Studiums ist das Kind verpflichtet, BAföG zu beziehen, welches ebenfalls in voller Höhe in Abzug gebracht wird. Schließlich werden zu dem errechneten Betrag Mehrbedarfskosten (z. B. die private Kranken- und Pflegeversicherung) addiert, soweit sie angemessen sind. Die Angemessenheit bestimmt sich nach den Umständen des Einzelfalls und orientiert sich an den Verhältnissen, die das Kind gewohnt ist.

Wohnt das Kind nicht mehr bei den Eltern, ergibt sich der vorläufige Kindesunterhalt als Pauschalbetrag aus den Anmerkungen zur Düsseldorfer Tabelle. Er ist dann vom Einkommen der Eltern unabhängig. Von diesem Betrag werden anschließend dieselben Abzüge gemacht, wie vom Unterhalt des noch zu Hause wohnenden Kindes.


Die Aufteilung der Unterhaltszahlung zwischen den Eltern

Zahlen die Elternteile (z. B. nach einer Scheidung) den Unterhaltsbetrag nicht gemeinsam, sondern jeder für sich, ist die Berechnung der Zahlungsquote sehr komplex. Es empfiehlt sich hier, einen Unterhaltsrechner zu verwenden.

Von Hand wird die Aufteilung folgendermaßen berechnet: Zunächst wird für jeden Elternteil das unterhaltsrelevante Einkommen festgestellt. Das ist der Betrag, der dem Elternteil tatsächlich für Unterhaltszahlungen zur Verfügung steht. Diesen Betrag erhält man, indem vom bereinigten Nettoeinkommen (siehe oben) der individuelle Selbstbehalt abgezogen wird. Die Quote ergibt sich nun aus dem Verhältnis der beiden unterhaltsrelevanten Einkommensbeträge. Ist das unterhaltsrelevante Einkommen eines Elternteils beispielsweise doppelt so hoch wie das des anderen, zahlt er zwei Drittel des Unterhalts. Ist der Betrag bei beiden Elternteilen gleich hoch, zahlen sie zu gleichen Teilen.


Ändert sich die Berechnung bei mehreren Unterhaltsberechtigten?

Der Unterhaltsanspruch gem. der Düsseldorfer Tabelle ändert sich für weitere Kinder nicht, der Unterhalt muss für jedes Kind geleistet werden. Durch höhere Kindergeldansprüche reduziert sich jedoch der Zahlbetrag ab dem dritten Kind minimal. Kann der Mindestunterhalt für alle Kinder nicht aufgebracht werden, erfolgt eine prozentuale Verteilung. Der Selbstbehalt des Unterhaltspflichtigen darf dabei nicht unterschritten werden. Der Kindesunterhalt ist gegenüber dem Trennungsunterhalt stets vorrangig.

Die Einordnung in eine der Nettoeinkommensgruppen erfolgt auf der Annahme, dass das unterhaltspflichtige Elternteil zwei Personen zum Unterhalt verpflichtet ist. Dies können zum Beispiel zwei Kinder sein oder ein Kind und ein unterhaltsberechtigter Expartner. Ist der Vater oder die Mutter jedoch nur einem Kind zum Unterhalt verpflichtet, so ergibt sich die Unterhaltshöhe auf Basis der nächsthöheren Einkommensgruppe. Bei drei oder mehr Unterhaltsberechtigten wird das Elternteil in die nächstniedrigere Gruppe eingestuft.